Prof. Dr. August Garcke (1819-1904)

August Garcke, Botaniker

August Garcke wurde am 25.Oktober 1819 in Bräunrode im Mansfeldischen geboren. Sein Vater war dort Oberförster. Zunächst unterrichtete ein Hauslehrer die beiden Söhne. Ostern 1830 bezogen sie das Gymnasium in Eisleben. August bestand am 20. März 1840 die Reifeprüfung.

Ein halbes Jahr nach dem Abitur starb der Vater. August hatte sich noch davor in Halle als Student der Theologie eingeschrieben. Das erste Staatsexamen legte er im März 1844 mit der Note gut ab. Im Herbst des gleichen Jahres übersandte er der Philosophischen Fakultät der Jenaer Universität die handschriftliche, lateinische Dissertation „biblica de iustificatione doctrina“. Die seinerzeitigen Spannungen in der Kirche der Provinz Sachsen waren wohl der Grund, dass er sich wegen der Promotion nach Jena wandte und danach auch mit Theologie nicht mehr beschäftigte.

Als Theologiestudent hatte er bereits zoologische und botanische Vorlesungen gehört, die botanischen bei Dietrich Franz von Schlechtendal, der in Berlin Kustos am Herbarium gewesen war, bevor er 1833 nach Halle berufen wurde. Garcke hatte bei vielen Wanderungen in der Umgebung von Halle auch schon die dortige Pflanzenwelt kennen gelernt. Im Herbst 1844 nahm er seinen Wohnsitz in Halle. Er widmete sich nun ganz der Botanik. Das ererbte Vermögen erlaubte es ihm, genügsam wie er war, einem Broterwerb nicht nachgehen zu müssen. In zahlreichen Exkursionen erforschte er die Flora der Umgebung.

Schon im Frühjahr 1848 erschien in Halle der Erste Teil seiner Flora von Halle, die Phanerogamen (Samenpflanzen), ein Jahr danach die Flora von Nord- und Mitteldeutschland. Der zweite Teil der Flora von Halle, die Kryptogamen (Sporenpflanzen), erschien 1856 in Berlin. 1851 übernahm er es, für die 1818 von Ersch und Gruber begonnene „Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste“ die botanischen Artikel zu verfassen. Die Ausführungen sind zum Teil sehr ausführlich, die Gattung Gentiana z. B. auf 59 Spalten.

1851 übersiedelte Garcke nach Berlin, um seine botanischen Studien bei Alexander Braun zu vertiefen. Von dort wechselte er mit seinem väterlichen Freund von Schlechtendal in Halle jährlich viele Briefe; sie sind in Halle erhalten.

Zum 1. September 1856 wurde Garcke auf eine Halbtagsstelle als Erster Assistent an das Königliche Herbarium berufen. Nach dem Tod des Kustos Klotzsch Ende 1860 befürwortete Braun seine Anstellung als Erster Kustos. Der Minister aber ernannte von Hanstein, Physiologe, nicht Systematiker. Garcke empfand die Zurückstellung als eine „grenzenlose Ungerechtigkeit“. 1863 wurde er in die neu eingerichtete Stelle eines zweiten Kustos berufen. 1865 erhielt er die erste Kustodenstelle, als Hanstein einem Ruf als Professor nach Bonn folgte.

Ende 1863 kaufte Garcke das Haus Friedrichstraße Nr. 227. Neben seiner Tätigkeit am Herbarium unterhielt er privat ein Repititorium für angehende Apotheker. 1867 wurde er in die Prüfungskommission für die pharmazeutische Staatsprüfung berufen. 1868 beschwerten sich 23 Pharmaziestudenten der Universität bei dem Minister, die derzeitigen Vorlesungen über Pharmakognosie könnten sie nicht in den Stand setzen, den an sie im Staatsexamen gestellten Anforderungen zu genügen. Sie schlugen vor, Garcke solle die Vorlesung halten. In einem Gutachten an den Minister befürwortete daraufhin die Philosophischen Fakultät Garckes Berufung. Die Fakultät erteilte die Habilitation am 13. April 1869. Zwei Jahre später, am 20. Juni 1871, wurde Garcke zum außerordentlichen Professor für Pharmakognosie ernannt.

Für das seit 1857 im Universitätshauptgebäude untergebrachte Berliner Herbarium musste 1870 eine neue Unterkunft gesucht werden. August Garcke bot sie in seinem Hause an. Das Herbarium blieb dort neun Jahre.

Nach dem Tode von Schlechtendal 1866 übernahm Garcke die Redaktion der „Linnaea“. 1883 verschmolz er diese mit dem „Jahrbuch des Königlichen Botanischen Gartens und des Botanischen Museums“. 1882 erschien von ihm in neuer Bearbeitung die zweite Auflage von „Hermann Wagner, Illustrierte Deutsche Flora“. 1892 wurde er zum Mitglied der Kaiserlich Leopoldinisch-Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher gewählt.

August Garcke hatte mit seiner Flora von Nord- und Mitteldeutschland, die mit der 13. Auflage 1878 zu der Flora von Deutschland erweitert wurde, ein sachlich zuverlässiges und didaktisch vorzügliches Pflanzenbestimmungsbuch geschaffen. Das Werk machte seinen Namen in Deutschland bekannt. Zu seinen Lebzeiten wurde es in 19 Auflagen in mehr als 60 000 Exemplaren verbreitet. Die letzte, 23., Auflage, herausgegeben von Konrad von Weihe, erschien 1972.

August Garcke starb am 10. Januar 1904 in Berlin. Er war nicht verheiratet. Er hinterließ ein beträchtliches Vermögen. Er hatte die Universität Berlin, den Apothekerverein und seine Schule, das Gymnasium in Eisleben, zu Erben eingesetzt. Sein Geburtsort Bräunrode erhielt ein Legat von 20 000 Mark. 1906 wurde damit ein neues Armenhaus gebaut. Es trägt noch heute eine Erinnerungs-Tafel aus Eisen.

Garckes Grabmal aus rotem Granit auf dem Friedhof der Jerusalems- und Neuen Kirche am Mehringdamm in Berlin-Kreutzberg trägt sein Portrait als Relief. Es ist von der Bildhauerin Lilli Wislicenus, geb. Finzelberg, geschaffen. Das Grab wird als Ehrengrab vom Land Berlin unterhalten.

Nach Garcke sind benannt die Gattung von Moosen „Garckea“ sowie die Arten „Asanza garckeana“, die zu den Malvengewächsen gehört, über die er vielfach geschrieben hat, Pedicularis garckeana, eine Art des Läusekrauts, Sloanea garckeana K. Schum., im tropischen Regenwald Südamerikas vorkommend, Ipomea garckeana Vatke. 1986 benannte die Kommission für Ortsnamen der kanadischen Provinz Quebec einen See im Westen der Provinz nach ihm Lac Garcke.

Das Lexikon der Naturwissenschaftler (Heidelberg Berlin 2000), das Forscher der Astronomie, Biologie, Chemie, Geowissenschaften, Medizin und Physik aus aller Welt von der Antike bis zur Gegenwart vorstellt, berichtet über August Garcke.

Quellen: Archive Humboldt-Universität Berlin, Universitäten Halle, Jena; Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Staatsbibliothek Berlin (Briefe)

Literatur: Neue Deutsche Biographie, Deutsche Biographische Enzyklopädie; Tschirch, Alexander, Erinnerungen an August Garcke, Berichte der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft 14, 1904, S. 52-56; Urban, Ignaz, Geschichte des königlichen botanischen Gartens und des königlichen Herbariums zu Berlin, Berlin 1891

Klaus Garcke (Mitteldeutsches Jahrbuch für Kultur und Geschichte, Bd. 26, 2019, S. 214-215)

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August Garcke – Mehr als 100 Jahre nach seinem Tode

August Garckes Hauptwerk „Illustrierte Flora“ wird auch heute noch benutzt. Das Werk gilt als „klassisch“ (s. Lönning, Wolf-Ekkehard, Die Evolution der karnivoren Pflanzen, 3. Auflg., Berlin 2012, S. 138). Die letzte Auflage, die 23., erschien 1972.

Dank seines Ururgroßneffen Michael Krüger fand August Garcke Eingang auch in die Dichtkunst: s. „August Garcke: Ehrenpreis“ in „Hinter der Grenze“, Pfaffenweiler Presse, 1990, S. 36-40 (auch „Vor dem Gewitter. Gedichte“, Frankfurt am Main (Suhrkamp) 2003, S. 77-80).

Hans Magnus Enzensberger, geboren 1929, veröffentlichte 2019 „Eine Experten-Revue in 89 Nummern“. Seine These: Dem Dämon der Arbeitsteilung verdanken die Menschen ihren vorläufigen Sieg auf diesem Planeten, aber auch ihre Verrücktheiten und ihre Niederlagen. Auf S. 144, 145 befasst er sich mit dem Experten August Garcke. Er übernahm dafür die Aussagen des Gedichts von Michael Krüger.

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